Jurahäuser allgemein

 

Dies soll nur ein kurzer Überblick sein! Für nähere Informationen verweise ich auf die Seiten des Jurahausvereins.

 


Merkmale/Bedeutung

 

Wuchtige Bruchsteinmauern, meist ein Kniestock, der massiv gemauert oder in Fachwerkbauweise ausgeführt sein kann und vor allem ein flaches mit Kalkplatten gedecktes Dach, welches einen mächtigen Dachstuhl erfordert, machen das Jurahaus zu dem was es ist: einem einzigartigen Haustyp von europaweiter Bedeutung.

Grundlage dieser Bauweise sind die Wälder (für das Bauholz) und die jurazeitlichen Kalksteine der südlichen Frankenalb. Dickere Bankkalke konnten für die Bruchsteinmauern verwendet oder in Kalköfen zu Brandkalk verarbeitet werden, der wiederum zusammen mit Sand die Grundlage für Mörtel und Putze bildete. Von herausragender Bedeutung für die Dächer und somit die Charakteristik des Jurahauses sind die Plattenkalke, die in 5-6 Lagen sich überlappend und lose aufeinander gelegt werden. Dies bedingt die sehr flachen Dachneigungen von etwa 25-35 Grad, meistens aber 27-30 Grad, da die Platten sonst abrutschen würden. Dachüberstände fehlen oft oder sind nur gering. Man spricht hier von einem Legschiefer- oder besser einem Kalkplattendach.

Im Jahre 1828 wurden die sogenannten Zwicktaschen erfunden, die sich auch für steile Dächer eignen. Diese haben die Form von Biberschwänzen, besitzen ein Loch und werden auf die Latten genagelt. Die bedeutendsten Vorkommen von Plattenkalk liegen bei Solnhofen, Langenaltheim, Mörnsheim, Eichstätt, Zandt, Painten, Jachenhausen, Kelheim und Eining.

 

 

 

Kalkplattendach (Legschieferdach) aus übereinender gelegten Kalksteinplatten in Mörnsheim/ Lkr. Eichstätt
Altes Kalkplattendach mit hellen, frisch ausgebesserten Stellen, die mit der Zeit ebenfalls dunkel werden, Mörnsheim/ Lkr. Eichstätt
Zwicktaschendach in Daiting/ Lkr. Donau - Ries
Jurastadel mit Bruchsteinmauerwerk und Fachwerk- Kniestock in Rehau/ Lkr. Donau- Ries

 

 

Verbreitung

 

Das Jurahaus hat sein Verbreitungsgebiet in der südlichen Frankenalb. Im Westen reicht es bis nahe an das Städtchen Wemding, also an das Ries heran, im Osten bis kurz vor Regensburg. Die südliche Begrenzung ist ungefähr die Donau, die nur an wenigen Stellen überschritten wird. Etwas nördlich von Beilngries liegt ebenfalls die Verbreitungsgrenze. Abgesehen von Unter- und Oberfranken haben also alle bayerischen Regierungsbezirke Jurahäuser, wobei der Landkreis Eichstätt, der auch das Kerngebiet bildet, den größten restlichen Bestand aufweist.

 

 

Gebäudetypen

 

Im Wesentlichen konnte die Jurahaus- Bauweise bei allen Gebäudetypen angewandt werden und war im bäuerlichen Bereich sowie bei Handwerker- und Taglöhnerhäusern mindestens seit dem 15. Jahrhundert beherrschend. Herrschaftliche und bürgerliche Gebäude in Stadt und Land hatten zwar häufig ein steileres Ziegeldach, waren jedoch auch immer wieder in dieser Bauweise ausgeführt (beispielsweise das Cobenzl- Schlösschen in Eichstätt). Lediglich die Kirchen stellen eine weitgehende Ausnahme dar.

 


Niedergang

 

Die letzten echten Jurahäuser entstanden im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. Bereits zu dieser Zeit wurden auch schon bestehende Häuser vermehrt mit Ziegeln neu eingedeckt, steile Dächer nahmen zu. Nach dem 1. Weltkrieg gab es von Amtswegen erste Initiativen, das Kalkplattendach nicht aussterben zu lassen, jedoch lediglich für Eichstätt bestand bis 1953 die Verpflichtung zur Verwendung von Kalkplatten. In der Folgezeit und vor allem nach dem 2. Weltkrieg kam es vermehrt zu einem Abriss der als altmodisch, kalt und feucht empfundenen Jurahäuser. An noch erhaltenen Häusern wurden oft der Mode folgend unpassende und viel zu große Fenster eingebaut. So gibt es heute nur noch wenige unverfälschte größere Ensembles von Jurahäusern, die uns einen Eindruck vom einstigen Aussehen unserer Dörfer geben. Seit etwa Mitte der 1980er- Jahre wird der Wert dieser einzigartigen Häuser immer mehr erkannt und so kann häufiger dem Abriss eine fachgerechte Instandsetztung vorgezogen werden. Manchmal gelingt es sogar, zusammen mit dem Denkmalschutz ein neues im Vergleich teureres Kalkplattendach zu verlegen. Dennoch wurden auch in den letzen Jahren die Reste dieser Hauslandschaft weiter dezimiert.

 


Literatur

 

Ullmann, Heinrich Das Kalkplattendach im Altmühlgebiete (Nachdruck) in:

      Das Altmühl-Jura-Haus, Eichstätt 19??

 

Ullmann, Heinrich Im Altmühl-Tal vor der Zerstörung, Nördlingen 1986

 

Hefte des Jurahausvereins, Eichstätt