Jurahäuser in Schwaben

 

 

Jurahäuser gibt es nicht nur in Teilen Mittelfrankens, der Oberpfalz, Nieder- und Oberbayerns, sondern auch im nordöstlichen Bayerisch- Schwaben, genauer gesagt in einem Teil des Landkreises Donau- Ries. Die Mitte des dortigen Verbreitungsgebietes bildet in etwa das Landstädtchen Monheim. Im Westen reichen die Jurahäuser ca. bis Hagau, Otting und Fünfstetten, also nahe an das Ries heran. Daiting, Baierfeld und Gansheim bilden nach heutigem Stand die südliche Begrenzung, wobei aber bekannt ist, dass es noch 1937 im südlicher gelegenen Graisbach mindestens ein Kalkplattendach gab. Im Norden und Osten erfolgt die Abgrenzung durch die Landkreis- bzw. Regierungsbezirksgrenze, obwohl sich dort jenseits der Grenze das Verbreitungsgebiet fortsetzt. In die zu diesem Internetauftritt gehörende Bildersammlung wurden allerdings auch die ehemals zu Schwaben gehörenden und heute in Mittelfranken bzw. Oberbayern liegenden Orte Gundelsheim und Ammerfeld aufgenommen. Im so umgrenzten Gebiet dürfte die Jurabauweise die absolut bestimmende gewesen sein, was nicht heißt, dass es nicht auch vereinzelt alte Steildächer gab bzw. gibt, die wohl ursprünglich mit Stroh und später dann mit Ziegeln oder Zwicktaschen gedeckt waren. Eine Ausnahme bildet Monheim, wo im historischen Hausbestand selbst bei kleinbäuerlichen Anwesen außerhalb der Stadtmauer das flache Dach etwas zurücktritt. In Fünfstetten wird das Jurahaus stets nur eine Randerscheinung gewesen sein.

Die Bruchsteine für das Mauerwerk kamen meistens aus kleinen örtlichen Steinbrüchen, die Kalkplatten für die Dächer wurden aus den Steinbrüchen um Solnhofen, Langenaltheim und Mörnsheim herangeschafft. Grundsätzlich unterscheiden sich die Jurahäuser Schwabens nicht wesentlich von denen der angrenzenden Regionen. Auffallend ist heute jedoch, dass die Anzahl der verbleibenden Kalkplattendächer im Verhältnis zur Zahl der erhaltenen Häuser hier niedriger ist als beispielsweise in den Landkreisen Eichstätt und Weißenburg- Gunzenhausen. Vermutlich kam es hier bereits früher zu einer Abkehr vom historisch überlieferten Dach hin zum im Vergleich immer billiger werdenden Ziegeldach. Im Jahr 1937 blieb eine Initiative des Landbauamtes Donauwörth zum Erhalt und zur Erneuerung der Kalkplattendächer ohne Erfolg. Dem Verfasser sind derzeit (Februar 2011) im behandelten Gebiet noch 5 mehr oder weniger vollständige Kalkplattendächer bekannt. Den Versuch einer Neubelebung dieser Dachdeckungsart im Rahmen der Sanierung denkmalgeschützter Häuser gab es hier ebenfalls noch nicht. Der Landkreis Eichstätt kann hier als Vorbild dienen, auch was Neubauten in Anlehnung an den Jurastil betrifft.

Der vermehrte Abbruch teils jahrhundertealter Jurahäuser nahm bereits zwischen den Weltkriegen seinen Anfang, steigerte sich noch nach dem 2. Weltkrieg und dauert schließlich bis heute an. Vor allem auch das Jahr 2010 brachte wieder erhebliche Verluste. So sind in den behandelten Orten heute nur noch selten kleine Ensembles von 2 oder 3 nahe beieinander stehenden Jurahäusern erhalten geblieben. Die roten Ziegeldächer und die teilweise veränderten Fenster stören das Erscheinungsbild. Ebenfalls ist nicht jeder Dachstuhl der alte geblieben und manchmal wurden Dachüberstände verändert.  Dennoch haben sich vor allem in Warching, Weilheim, Rehau, Gundelsheim, Rögling und Otting größere Mengen an Jurahäusern erhalten, die uns erahnen lassen, wie es dort einmal aussah.

 

 

Literatur

 

Hofgärtner, Erich Nordschwaben in alten Ansichten, Augsburg 2006